Till Dembeck

Literaturwissenschaft in Forschung und Lehre

Textbewegungen

Textbewegungen 1800-1900, hg. mit Matthias Buschmeier, 2007

Die in diesem Band versammelten Beiträge gehen in historischer wie systematischer Hinsicht der Vorstellung nach, Texten könne eine Bewegung innewohnen. Dass Texte Fixierungen darstellen, werden nur wenige bestreiten. Allerdings legt zumindest die Redeweise so mancher literaturwissenschaftlichen Arbeit nahe, dassŸ ihnen auch ein dynamisches oder performatives Moment anhaftet. Allzu vertraut erscheinen Formulierungen wie diejenige, ein Text '‚transformiere eine Struktur'‘, er '‚widerstrebe einer Tendenz'‘, kurz, er '‚vollziehe eine Bewegung'‘. Der Band hinterfragt diese scheinbar konsensuelle Vertrautheit und nimmt die Metapher ernst: Die Beitragenden wurden mit der Aufforderung konfrontiert, an Beispielen zu beschreiben, auf welche Weise literarische Texte aufgrund ihrer spezifischen Qualität die paradoxale Zuschreibung nahelegen, sie seien in ihrer Fixiertheit bewegt oder gar eigenbewegt. Die Zumutung der Annahme, dassŸ es eigenbewegte Texte gibt und dassŸ sich Strukturen konkret angeben lassen, anhand derer sich ein Text als eigenbewegt beschreiben lässt, hat sich gerade in ihrer Kontraintuitivität als produktiv erwiesen: Fordert sie doch dazu heraus, zunächst einmal zu untersuchen, ob und wie sich die Rede von '„Textbewegungen'“ literaturtheoretisch begründen lässŸt. Die systematische Reflexion und die detaillierte Auseinandersetzung mit konkreten literarischen Beispielen werden daher in den einzelnen Beiträgen eng miteinander verknüpft. Historisch reicht die Bandbreite der untersuchten Texte von Wielands „Oberon“ bis zu Musils „Mann ohne Eigenschaften und Woolfs „Orlando.